Ideathon und die "Media Buddies"
Hat euch schonmal so der Kopf geraucht, dass ihr auch noch Tage danach gemerkt habt, wie eure kreative Pumpe da oben gearbeitet hat? So ging es mir nach dem Ideathon auf Zeche Zollverein. Der Ideathon ist im Grunde ein zweitägiger Kreativ-Workshop, bei dem junge Leute zusammenkommen, um neue Ideen für mehr Vertrauen, Zusammenhalt und Zuversicht zu entwickeln. Auf Zeche Zollverein haben wir uns, in meinem Fall im Bereich Journalismus, gefragt: Wie können Medien wieder näher an junge Menschen rücken? Wie gewinnt man Vertrauen zurück? Gemeinsam wurde gebrainstormt, diskutiert, verworfen, neu gedacht. Es geht weniger um Theorie und mehr um: Ärmel hochkrempeln, kreativ werden und Lösungen bauen, die wirklich etwas verändern könnten. Und ich bin ehrlich, als ich am Montag meine Idee zu den Media Buddies auf der Bühne kurz gepitcht habe, wusste ich noch nicht, welche Konsequenzen das mit sich ziehen würde. Aber dazu später mehr.
Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Ideen am Ende im Oktagon an der Wand hingen, aber egal wohin man schaute, waren Impulse und Projekte zu sehen. Man konnte rumgehen, mit den jeweiligen Ideengeber*innen sprechen und wurde natürlich auch zu der eigenen Idee befragt. Ich fand diesen Prozess sehr spannend, weil man gemerkt hat, wie viel kreatives Potenzial in den Köpfen der Menschen steckt. Vor Ort waren nämlich nicht nur Journalist*innen, sondern Menschen aus unterschiedlichen Medienbereichen. Ich glaube, gerade dieser Mix hat einen neuen Blick auf das Thema Zuversicht ermöglicht. Einmal raus aus der eigenen Journalismus-Bubble.
Am Montag haben wir uns dann schließlich als Gruppe Media Buddies zusammengefunden, Helena, Theresa, Heba, Alina, Malu, Ronja und ich. Ein ziemlich guter Mix aus verschiedenen Perspektiven, der sich schnell eingegroovt hat.
Wir haben uns an den vier Leitpunkten orientiert, die uns vorgegeben wurden, und vor allem ein Thema hat bei uns sofort geklingelt: Validierung. Also raus aus dem Raum, rein in die Realität. Wir haben der Redaktion geschrieben, um ein erstes Stimmungsbild zu bekommen, und sind dann noch auf der Straße losgezogen, um Bürger*innen zu fragen, wie sie sich Journalismus eigentlich wünschen.
So ist unsere Idee Media Buddies konkreter geworden: eine Art Tinder für Journalist*innen und Bürger*innen. Beide Seiten matchen sich und entwickeln dann gemeinsam ein mediales Endprodukt, zum Beispiel einen Artikel oder ein Reel. Die Grundidee dahinter ist, dass Bürger*innen echte Selbstwirksamkeit erleben und nicht nur befragt werden, während Journalist*innen transparenter, nachvollziehbarer und nahbarer arbeiten. Beide Seiten profitieren voneinander: Wir bringen das journalistische Handwerk mit, die Bürger*innen ihre Expertise vor Ort, fast wie ein kleines Mentoring-Programm auf Augenhöhe.
Wir hatten ein Flipchart, das am Ende aussah wie ein sehr intensives Brainstorming in Farbe, überall Zettel. Natürlich mussten wir zuerst sauber das Problem herausarbeiten und dafür haben wir Studien gewälzt, diskutiert, verglichen. Danach ging es ans Lösungskonzept: Wie erreicht man neue Zielgruppen? Wie holt man Leute dort ab, wo sie ohnehin schon sind, zum Beispiel in den Kommentarspalten? Wie könnte das Design auf der Webseite aussehen? Was kostet das? Können wir Strukturen bei FUNKE nutzen, statt alles neu zu erfinden?
In den Impulsvorträgen wurde immer wieder gesagt: Denkt wie Kinder. Und ich verstehe jetzt, was gemeint war. Man hinterfragt weniger, man setzt erstmal voraus, dass alles möglich ist, und genau das hat uns geholfen, die Idee offen weiterzudenken. Für mich war klar: Ich möchte ein Mentoring-Programm, das Transparenz schafft, Vertrauen stärkt, persönlichen Kontakt ermöglicht. Ein Raum, in dem Journalist*innen und Bürger*innen wirklich auf Augenhöhe arbeiten.
Nach vielen Stunden Denken, Grübeln und Weiterdrehen gab es am Abend dann einen kleinen Ausklang mit Musik, Getränken und einer sehr lustigen Runde.
Die Nacht war, sagen wir, kurz. Und nicht nur, weil ich spät gegangen bin. Wenn mein Gehirn einmal so kreativ auf Hochtouren läuft, dann braucht es ewig, um wieder runterzufahren. Mein Körper war hundemüde, mein Kopf nicht.
Trotzdem ging es am Dienstag um Punkt 9 Uhr, nach einem kleinen Frühstück, direkt weiter. Jetzt hieß es Präsentation bauen. Drei Minuten Pitch für zwei Tage Ideenfeuerwerk. Das klingt leichter, als es ist. Ich glaube, ich habe nicht mal eine richtige Mittagspause gemacht und meinem Team ging es ähnlich. In der Pitch Klinik wurden wir richtig gut unterstützt, mit ehrlichem Feedback, klaren Hinweisen und Hilfe bei Designfragen. Das hat unserer Idee eine klare Form gegeben.
Und dann, 14 Uhr, Deadline. Präsentation einreichen, atmen, kurz durchschütteln und los. Eine nach der anderen Idee wurde vorgestellt. Workshops, Plattformen, neue Tools. Es war beeindruckend zu sehen, was die Teams in so kurzer Zeit erschaffen haben. Wer über die drei Minuten kam, wurde mit lautem Klatschen herausgebeten. Ich verstehe warum, aber irgendwie war es natürlich auch frustrierend. Man wollte ja mehr von dem Projekt hören. Zusätzlich hat es den Puls definitiv nicht gesenkt.
Wir waren alle erleichtert, als unser Pitch vorbei war. Wir haben die Zeit knapp eingehalten und konnten jede Frage beantworten. Aber weil die anderen Gruppen so stark waren, konnten wir überhaupt nicht einschätzen, was bei der Siegerehrung passieren würde. Ich war an diesen zwei Tagen so voll mit Adrenalin und Kreativität, dass ich irgendwann nur noch im Überlebensmodus war.
Dann endlich die Siegerehrung.
Platz 3: Checkstdoo, ein Gamification Tool, mit dem Schüler:innen lernen sollen, KI-Inhalte zu erkennen.
Platz 2: Überbrücke, ein Format, das Generationen ins Gespräch bringt und Begegnungen schafft.
Und Platz 1... Media Buddies.
Ich habe es erst gar nicht richtig verstanden und plötzlich stand unser Team mit einer Urkunde auf der Bühne. Ich bin so unglaublich stolz auf alle. Allein hätte ich diese Idee niemals so scharf, so rund, so tragfähig bekommen. Diese zwei Tage haben gezeigt, was möglich ist, wenn unterschiedliche Menschen wirklich zusammenarbeiten und einander ernst nehmen.
Und was bedeutet Platz 1?
Die ersten drei Teams nehmen automatisch am Megathon im Frühjahr in Köln teil. Dort wird die Idee weiter ausgearbeitet, nochmal präsentiert und gemeinsam mit Expert*innen geprüft, wie sie sich praktisch umsetzen lässt. Es geht also weiter, größer und noch ein bisschen aufregender.