Zwischen Pressereise und Parlamentswahl: Mein Alltag als „Hollandreporterin“
Mein erster Tag im Mantel bei der NRZ Anfang August 2025. „Könntest du dir vorstellen, dass du im Oktober Jonas, unseren Holland-Reporter*, vertrittst?“, fragt mich meine Chefin bei unserem Einführungsgespräch.
Wow, das nenne ich doch mal steile Karriereleiter. Spaß beiseite. Ich hatte echt Bammel, aber habe diese Aufgabe trotzdem übernommen. Denn ich glaube, gerade im Volo sollte man sich immer einen Schubs geben und sich aus seiner Komfortzone bewegen.
Gedanklich habe ich diese Aufgabe vor mir hergeschoben, es war schließlich erst August. Gute zwei Monate Zeit also. Ehe ich mich versah, war es auch schon so weit und ich plante meine Übergabe mit Holland-Reporter Jonas. Eigentlich standen nur zwei wichtige Sachen an im Oktober: Eine Pressereise nach Utrecht und Leiden und die Parlamentswahlen.
Parlamentswahlen. Und dann auch noch ganz allein. Aber fangen wir von vorne an.
Der Alltag sah eigentlich gar nicht so anders aus, als man es aus dem Redaktionsgeschehen gewohnt war. Morgens erst einmal die niederländische Presse durchwühlen und schauen, ob etwas Berichtenswertes dabei ist. Agenturmeldungen im Auge behalten und im Zweifel anlegen. Themensuche. Texten. Der klassische journalistische Alltag eben.
Aber auch die Printplanung stand auf dem Programm, denn schließlich hatte ich sowohl montags als auch freitags eine Niederlande-Seite in der Zeitung zu füllen. Zum Glück hatte Jonas bereits einige Back-Up-Aufmacher hinterlassen, sollte ich mal keine Themen haben. Auch Heiko Buschmann, der damals noch intensiv zur Holland-Berichterstattung beitrug, unterstützte mich tatkräftig und hatte für jede meiner Fragen ein offenes Ohr.
Das Highlight war definitiv meine erste Pressereise. Sie führte über Utrecht nach Leiden. Als Teil der Initiative „New Dutc Health“ hatten wir spannende Einblicke in die Innovationen, die das künftige Gesundheitswesen in den Niederlanden prägen sollen. So besuchten wir beispielsweise das Princess Máxima Center, ein Krankenhaus für pädiatrische Onkologie. Auch wenn der Anblick eines Kinderkrebskrankenhauses kein schöner war, war der Termin dort besonders eindrucksvoll. Denn wir erfuhren, wie Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, innerhalb weniger Minuten einen Hirntumor bei Kindern präzise und bis ins Detail zu diagnostizieren.
Der Zeitplan war dicht: Von morgens um neun bis meist gegen 21 Uhr waren wir unterwegs. Trotzdem blieb zwischendurch Zeit für gemeinsame Abende und Essen. Viel Essen. Hin und wieder auch mal dekadenter. Heißt: Ein Vier-Gänge-Menü in einem sehr urigen Restaurant mitten in der Innenstadt von Leiden.
Wer die Gelegenheit hat, einmal an einer Pressereise teilzunehmen, sollte sie unbedingt nutzen. Man lernt spannende Menschen kennen. Und ganz nebenbei bekommt auch das eingerostete Schulenglisch wieder einen neuen Anstrich verpasst.
Der Abschluss meiner Zeit als Holland-Reporterin war schließlich die Parlamentswahl Ende Oktober. Die Vorbereitung darauf war ausgesprochen intensiv und mit viel Arbeit verbunden. Zunächst musste ich mir ein grundlegendes Verständnis dafür aneignen, wie das Wahlsystem in den Niederlanden überhaupt funktioniert. Dazu gehörte, mich mit den unterschiedlichen Parteien, ihren Programmen sowie den wichtigsten Kandidat*innen vertraut zu machen.
Parallel dazu führte ich zahlreiche Gespräche, unter anderem mit Expert*innen, die mir halfen, politische Zusammenhänge besser einzuordnen und aktuelle Entwicklungen zu verstehen. Diese Recherchen waren zwar spannend, aber auch fordernd, da alles in relativ kurzer Zeit passieren musste.
Rückblickend war diese Phase sehr lehrreich, gleichzeitig aber auch ziemlich stressig. Umso größer war die Erleichterung, als ich im November schließlich in den Urlaub starten konnte und nach dieser intensiven Zeit erst einmal durchatmen durfte.
*Holland-Reporter sagen wir in Redaktionskreisen umgangssprachlich. Offiziell gehört diese Stelle zur NRZ-Mantelredaktion.