Wie schnell die Zeit vergeht: Klima-Volo Sarah blickt auf ihr Volontariat zurück
Gefühlt war es erst gestern, als ich die FUNKE-Zentrale in Essen das erste Mal betreten habe. Im riesigen Foyer warteten schon zwei andere Volos, zusammen mit unserer Volo-Beauftragten, die uns an diesem Tag durch das riesige Gebäude führen (bis heute ist es für mich absolut unmöglich, mich in diesem Haus abseits von den Redaktionsräumen zurechtzufinden) und in der Konferenz vorstellen würde.
Aber es war nicht gestern, sondern im April 2024. Jetzt ist Dezember 2025, das heißt: Mein (Klima-)Volontariat, angelegt auf zwei Jahre, nimmt bald sein Ende. Zeit für einen Rückblick.
Wie jedes Volo bei der WAZ, beginnt auch meines in einer Lokalredaktion und zwar in Duisburg. Praktisch, fand ich, da hab ich vier Jahre während meines Studiums gewohnt, die Stadt kenne ich.
Ich kannte sie offenbar nicht.
Wenn man in einer Lokalredaktion arbeitet, ob man die Stadt nun vorher kannte oder nicht, dann lernt man einen Ort ganz neu und vor allem ganz anders kennen. Während ich mich zu Studienzeiten zwischen Uni, Edeka, diversen Kneipen und Hauspartys bewegte, kenne ich heute drei verschiedene Duisburg-Songs (und es gibt noch mehr, habe ich mir sagen lassen), ich war in dem berüchtigten Weißen Riesen (es ist genauso, wie man es sich vorstellt), auf den Feldern im Süden, in matschigen Naturschutzgebieten, ein paar Straßennamen habe ich mir auch gemerkt.
Achtung, es wird kurz kitschig, und ja, ich weiß, wie das klingt, wir reden immerhin von Duisburg, aber bis heute hat die Stadt einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Aber glücklicherweise bin ich nicht alleine, denn zufällig weiß ich, dass es vielen Volos so mit ihrer ersten Station geht, also fühle ich mich nur ein bisschen komisch.
Die Anfangszeit ist für alle Volos ziemlich verwirrend, alles ist neu, man ist ständig unterwegs, direkt mittendrin, man lernt viel, plötzlich steht der eigene Name regelmäßig in der Zeitung, man kriegt Mails von wildfremden Leuten, die was zu deinen Texten zu sagen haben. Aber man wächst rein, mit jedem Tag ein bisschen mehr. Wo finde ich die richtigen Ansprechpartner*innen? Woher weiß ich, ob ein Thema für unsere Leser*innen interessant ist? Wie geh ich um mit dieser neuen Verantwortung, dem Druck? Dafür bekommt man in der ersten Volo-Station ein Gespür.
Die anfängliche Unsicherheit wird weniger. Wobei ich sagen muss: Ganz verschwunden ist sie bis heute nicht. Ich tu aber gerne so, als ob. Was hilft: Wir kriegen Mentor*innen, also erfahrene Redakteur*innen, an die Seite gestellt, die uns durch die gesamte Ausbildung begleiten und uns genau bei solchen Fragen helfen.
Aber zurück nach Duisburg: Unterbrochen wurde meine Zeit hier durch die fünfwöchige Grundausbildung bei ProContent. Die ist Pflicht. Hier lernen wir, welche Textarten es gibt, wie man Interviews führt, Reportagen und Kommentare schreibt, worauf wir achten müssen, wenn wir uns nicht mit dem Presserat anlegen wollen, wie wir (gute) Ideen für Texte finden.
Es ist ein bisschen wie zurück in die Schule kommen, aber in spaßig. Die fünf Wochen sind intensiv, aber das Schöne daran: Man lernt Volos von allen FUNKE-Standorten kennen, und weil man jeden Tag sieben Stunden zusammenhockt, lernt man sich auch ziemlich gut kennen.
Auch, wenn wir natürlich alle zum Arbeiten hier sind, ist das Untereinander zwischen Volos wohl mit eines der besten und bereicherndsten Dinge an unserer Ausbildung. Wir sitzen alle im gleichen Boot, wir unterstützen uns, tauschen uns aus, jeder weiß oder kann irgendwas, was andere noch nicht wissen oder können.
Ein kleines Highlight ist deswegen auch die FUNKE-Zentralredaktion in Berlin. Hier lernen wir bundesweite (und globale) Berichterstattung kennen. Während das eigentlich schon ziemlich cool ist, leben wir aber auch zu dritt oder sogar zu viert in unserer Volo-WG in Berlin-Steglitz. Trash-TV-Abende, gemeinsame Ausflüge, vernachlässigte Pflanzen retten und tägliches „Wir müssen jetzt wirklich mal Pfand wegbringen“ inklusive.
Und jetzt nochmal zurück nach Duisburg, beziehungsweise eigentlich nicht, weil irgendwann sind die sechs Monate ja auch rum. So ging es also im Oktober 2024 für mich nach Essen. Weil ich das Klima-Volo mache, habe ich erst einmal drei Monate lang für unsere „FairÄndern“-Redaktion geschrieben (da geht es um Nachhaltigkeit, Umwelt und Klima). Für andere Volos geht es nach der Zeit in der Lokalredaktion meist direkt in den Mantel (für die, die es nicht wissen: dabei geht es nicht um das schicke Kleidungsstück, sondern der Mantel ist der überregionale Teil einer Regionalzeitung) oder ins Online-Team (hier machen wir Social Media und Suchmaschinenoptimierung).
Ich muss sagen, es ist ziemlich cool, einen Themenschwerpunkt zu haben. Schließlich hat später so gut wie jede*r Redakteur*in einen – Schule, Bildung, Kriminalität, Verkehr. Ich hab meinen eben schon jetzt. Und das Schöne ist: Ich bin trotzdem nicht festgelegt. Da ist dann auch mal ein Essay über Punk, ein Interview mit Volker Rosin oder eine Live-Sendung über die Sprengung des Weißen Riesen in Duisburg mit drin.
Glücklicherweise lassen sich Klima-Themen überall finden, in der Kultur, in der Politik, in der Wirtschaft. Die drei Monate bei FairÄndern haben mich da gut drauf vorbereitet, also konnte ich meinen Schwerpunkt wunderbar in jedem Ressort einbringen. Nachhaltigkeit im Fußball? Klimafreundliche Konzerte? Naturnahes Gärtnern? Gerne doch.
Neben FairÄndern gibt es noch eine Besonderheit im Klima-Volo: die Hospitationen. Grundsätzlich kann jede*r Volo mindestens einen Monat außerhalb des eigenen Titels in ein anderes Medium reinschnuppern – Radio, Fernsehen, andere Zeitungen, fast alles ist möglich.
Meine Hospitationen standen schon von Anfang an fest: ein Monat Wuppertal Institut, ein Monat Emschergenossenschaft. Da habe ich mir angeguckt, wie die andere Seite der Pressearbeit aussieht. Events, Pressemitteilungen, Pressetermine und Newsletter standen auf der Tagesordnung. Und ganz nebenbei konnte ich mich mit Klima-Wissenschaftler*innen vernetzen. Für meinen Themenschwerpunkt ziemlich praktisch.
Zwischenstand im August 2025: Lokalredaktion, FairÄndern, Berlin, Mantel, Online-Team, zwei Hospitationen, 17 Monate sind rum. Die Pflichtstationen hatte ich damit alle hinter mir, das hieß: ab jetzt wurde das Volo zum Wunschkonzert. Na ja, zumindest konnte ich mir Stationen wünschen und die dann glücklicherweise auch machen.
So ging es nochmal einen Monat in die FairÄndern-Redaktion und dann einen Monat nach Düsseldorf. Hier sitzen die Landeskorrespondenten der WAZ, die über die Landespolitik NRW berichten. Hintergrundgespräche und Pressetermine mit wichtigen Leuten standen hier auf dem Plan, meistens tagesaktuelle Berichterstattung, aber auch größere Recherchen, zum Beispiel über den Niedergang der Klimaproteste und die Atommüll-Transporte, die bald durch NRW rollen.
Seit Anfang November arbeite ich an meinem Volo-Projekt. Das ist in den letzten Monaten des Volos angesetzt, bevor es in eine richtige Redakteur*innenstelle (oder wohin auch immer) geht. Da kann man nochmal seine ganze Kreativität rauslassen, was Neues ausprobieren, alles kombinieren, was man während des Volos gelernt hat: Während ich eine interaktive Seite zum Thema Extremwetter bastle, stampfen andere zum Beispiel Instagram-Accounts aus dem Boden.
Und damit sind wir im Hier und Jetzt, im Dezember 2025, und gleichzeitig aber auch wieder ganz am Anfang, weil mein Projekt mache ich (natürlich) in der Lokalredaktion Duisburg. So schließt sich der Kreis.